Warum ausgerechnet Blechblasinstrumente?

Die Vorläufer unserer heutigen Trompeten und Posaunen kommen schon in der Bibel vor. Dabei handelt es sich meistens um das aus Rinderhorn gefertigte Khäran oder das aus Widderhorn gefertigte Schopar. Mose lässt in 4. Mose Kapitel 10, Verse 2ff zwei silberne Trompeten für die Prister anfertigen. Sie sollten im Krieg, bei Festen und an Neumonden gespielt werden. Salomo lässt ihre Zahl auf 120 vermehren. Im alttestametlichen Gottesdienst werden Trompeten und Posaunen neben Harfen und Saitenspiel auch zum Lobpreis eingesetzt. Davon berichtet Psalm 98. Im Neuen Testament kommen Blechblasinstrumente ebenfalls vor. Besonders hervorzuheben sind die Sieben Posaunen in der Offenbarung, die nach der Öffnung der Sieben Siegel von Engeln geblasen werden. Die Letzte Posaune kündigt die Herrschaft Jesu Christi als König der ganzen Welt an (Offenbarung Kapitel 11, Verse 14 bis 19). Was liegt näher, als Trompeten und Posaunen für die Verkündigung des Evangeliums zu nutzen? Die Wiederkunft Christi steht bevor! Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Die Gründung der Posaunenchöre hat historische Wurzeln. Nicht ohne Grund wurden die meisten Posaunenchöre um die Zeit der Erweckungsbewegung geründet. Für Gottesdienste im Grünen und Evangelisationsveranstaltungen benötigte man Instrumente, die

  • man leicht transportieren konnte (also keine Orgel)
  • bei fast jedem Wetter gespielt werden können (also keine Instrumente aus Naturmaterialien wie z. B. Holz)
  • deren Stimmung gut kontrollierbar ist (also keine Flöten)
  • nicht übermäßig viel kosten
  • weithin hörbar sind
  • zur Begleitung von Gemeindegesang geeignet sind
  • einen heiligen und festlichen Charakter annehmen können
  • Aus heutiger Sicht spricht noch ein wesentlicher Faktor dafür, für diesen Zweck gerade diese Instrumentengattung zu verwenden: Stellen Sie sich mal einen E-Gitaristen oder einen Keyboarder bei einem Gottesdienst im Grünen vor. Ja wie denn ohne Strom?

    Nur bei starkem Frost können Posaunenchöre nicht spielen, was aber zum Glück selten vorkommt.

    Das Spielen auf einem Blechblasinstrument kommt von allen Instrumenten dem menschlichen Gesang am nächsten: Das Instrument kann den Ton selbst nicht erzeugen, sondern nur veredeln. Die Lippen übernehmen die Funktion der Stimmbänder. Der Bläser kann damit nicht nur die Tonhöhe, sondern auch den Ausdruck beeinflussen. Wie beim Singen auch besteht beim Blasen eine Wechselwirkung mit der Gemütslage des Bläsers. Die Ventile haben nur die Funktion, das Instrument an die von den Lippen vorgegebene Tonhöhe anzupassen. Der Bläser braucht also genau wie ein Sänger eine präzise Vorstellung von der Tonhöhe und der gewünschten Klangfarbe. In Kombination mit der notwendigen Atemtechnik sind daher viele Bläser auch gute Sänger. Das Schöne dabei: Man muss nicht erst ein guter Sänger sein, um das Blasen zu erlernen. Vielmehr erwirbt und vertieft man diese Fähigkeiten gleichzeitig mit der Ausbildung zum Bläser.